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Paarhaltung versus Einzelhaltung

Papageien sind außerhalb der Brutzeit meist im Schwarm zusammen oder in kleinen Gruppen oder in Familienverbänden. Diese intelligenten und schönen Tiere ziehen gemeinsam durch große Gebiete, gehen auf Nahrungssuche, spielen, schlafen, kämpfen miteinander und passen aufeinander auf.
Seit Jahrhunderten leben Papageien bei uns als Heimtiere, aber erst in den letzten Jahrzehnten verbesserten sich die Lebensbedingungen dieser Tiere bei uns zu Hause, denn Wissenschaftler und Hobbyliebhaber beschäftigen sich heute intensiver mit dem Leben der Papageien in Natur und in Menschenobhut. Nun werden immer mehr Stimmen laut, die sich gegen die Einzelhaltung von Papageien aussprechen.

Machen wir uns nichts vor: Die Motivation für die Anschaffung eines Papageien im Haushalt bzw. in der Wohnung wird vorrangig vom Wunsch geprägt, ein zahmes und verschmustes Heimtier zu besitzen, was möglichst sprechen lernen soll. Arteigene Bedürfnisse und Anforderungen an die Haltung standen noch vor nicht allzu langer Zeit oft im Hintergrund. Heute bemühen sich zunehmend mehr Menschen um eine artgerechte Haltung ihrer Lieblinge.

Viele Menschen erwerben lieber erst einen Papagei, weil sie sich langsam an ihr neues Hobby herantasten möchten. Das ist verständlich, aber etwas schade, denn es ist unkompliziert, zwei Papageien an ihr neues Zuhause und aneinander zu gewöhnen.

Untersuchungen belegen, dass viele Papageien immer noch als Einzeltiere mit langen Phasen des Alleinseins gehalten werden. Damit nicht genug, es werden Flügel gestutzt und die räumlichen Haltungsbedingungen sind oft viel zu beengend. Noch immer gibt es kein Tierschutzgesetzt, was im Interesse der langlebigen Papageien wirksam ist und gravierenden Haltungsbedingungen vorbeugt.

Viele Papageien sind über acht bis zehn Stunden täglich alleine, da die Halter arbeiten gehen. Nicht wenige Vögel haben nicht mal adäquates Spielzeug als Ersatz. Unsere gefiederten Freunde mit ihrer hohen sozialen Kompetenz, ihrer Spielfreude und ihrer Kreativität verkümmern zunehmend unter solchen Bedingungen.

Die seelischen Auswirkungen dieser Behandlung sind gravierend. Verhaltensprobleme in Form von Federrupfen, Stumpfsinn, Zwangsbewegungen mit Bewegungsstereotypien und Krankheiten sind an der Tagesordnung und ein Indiz für inadäquate Haltung mit Reizarmut und Langeweile. Nicht selten werden die Leiden des Vogels vom Halter ignoriert oder abgetan. Ich bin Mitglied in einem Verein, der notleidende Papageien aufnimmt und kann kaum mit Worten wiedergeben, in welch unsagbar katastrophalem Zustand manche Tiere sind, die wir aufnehmen. Es sind Tiere, die auf Grund von Eingaben durch mitleidige Nachbarn von ihrem Leid erlöst werden oder die Halter geben die nun nicht mehr attraktiv aussehenden gerupften Papageien selber ab.

Können wir uns vorstellen, ohne menschlichen Kontakt an die zehn Stunden am Tag in einem Raum alleine ohne Unterhaltung zu verbringen und das ein Leben lang? Sicher nicht. Eine Studie zeigte, dass ein Papagei selbe Menge an kreativen Inputs braucht wie wir Menschen. Ein Papagei muss sozialisiert werden und er braucht täglich viele unterschiedliche Anreize.

Daher ist meine Empfehlung an Menschen mit Interesse am Erwerb eines Papageien, sofort zwei-möglichst gegengeschlechtliche- Tiere anzuschaffen. Die Papageien werden trotzdem zahm und ich habe schon Paare gesehen, die ganze Sätze sprechen. Meine kleine Mascha, die immer beim Snoopy ist und außerdem mit Stella spielt, ruft nach nur fünf Monaten „Mama ist da“ „oh die Mama“. Das kommt sicher noch etwas undeutlich, aber immerhin, die Lütte ist ein kleines Sprachtalent. Stella sagt nichts, die zwitschert in der Papageiensprache. Informieren Sie sich aber bitte vorher über territoriale Stimmung der Art in Brut und Balzzeit und wenn diese vorhanden ist, dann sollten Sie gleich vor der Anschaffung der Papageien eine große Flugvoliere oder gleich ein Vogelzimmer einplanen, damit das Paar in der Zeit seine Ruhe hat. Vor allem der Hahn wird Sie sonst in Brut- und Balzstimmung in den Monaten, in der er mit seiner Henne- nun ja-vögelt- eventuell angreifen und versuchen, Sie aus seinen Territorium zu vertreiben. Das ist dann schwer, wenn nur ein Vogelbauer in der Stube steht und das Paar hoch begeistert im Freiflug seine Halter vertreibt. Das geht nicht! Dann wird die Stube im Freiflug zum Territorium des Paares in Brutstimmung und ich kenne nicht wenige Besitzer von Amazonenpaaren oder anderen Arten, die dann aufpassen müssen in der Stube!

Vertretbar ist die Einzelhaltung für Menschen, die den größten Teil des Tages zu Hause sind und die gewillt sind, sich sehr intensiv mit dem Papagei zu befassen. Trotzdem besteht die Gefahr bei einer vielköpfigen Familie, dass der Geier mit der Geschlechtsreife sein Wesen ändert und sich in seinen Menschen verliebt, den er als Partnerersatz ansieht. Andere Personen können dann vom Papagei vertrieben werden, wenn sie sich seinem Menschen nähern. Das kann passieren, muss aber nicht. Es kommt auf die Papageienart und den Charakter des Tieres an.

Bei den Arten mit territorialem Grundcharakter gibt es bei der Paarhaltung oft Probleme mit Aggression während der Balz, da der Hahn sein Territorium und die Henne verteidigt und bei den Brutpaaren kann man oft sogar die Volliere nicht betreten, ohne angegriffen zu werden. Lässt man nicht brüten, vergehen die drei, vier Monate der Balz und das Paar kann in dieser Zeit in einer geräumigen großen Volliere mit Flugmöglichkeit bleiben; diese sollte unbedingt vorhanden sein.

Hat man zwei gleichgeschlechtliche Partner, kann sich mit der Geschlechtsreife auch ein Pärchen bilden, das homo-oder bisexuell ist oder der eine Vogel verliebt sich in seinen Menschen, dann gibt es Probleme mit dem zweiten Papagei. Als ich beide Jungs alleine hatte, war es bei mir ab dem dritten Lebensjahr so, dass Snoopy sich in mich „verliebte“ und Kolumbus Attacken mit Anflügen gegen Snoopy vornahm, wenn ich mit ihm spielte, die zunehmend ernster wurden. Natürlich habe ich auch mit Kolumbus gespielt und das störte den Snoopy ab und an. Wie die Sache ausgegangen wäre, weiß ich nicht, denn nun haben die Jungs ihre Henne.

Wie man sieht, ist die Papageienhaltung ein sehr anspruchsvolles Hobby, bei dem der Halter aktiv mitarbeiten muss. Die Zimmervolliere für größere Arten sollte meiner Meinung nach mindestens die Maße von 2x2 Meter haben, wenn die Tiere in der Wohnung sind, damit der Papagei kurze Strecken fliegen kann. Es kann Situationen geben wie in der Balz oder wenn Besuch kommt, da müssen die Papageien tageweise drinnen bleiben und dafür sollte ausreichend Platz und Bewegungsfreiheit vorhanden sein.

Darüber hinaus kann man den Balkon vergittern, so können die Papageien an die frische Luft und die Sonne genießen oder den Regen.

Lassen Sie mich noch ein paar Worte zur Einzelhaltung sagen:

Ich vertrete den Standpunkt, dass man sich sofort zwei Papageien anschaffen sollte, wenn man den ganzen Tag berufstätig ist, am Abend noch den langen Fahrweg nach Hause hat und nach der Arbeit noch die üblichen Einkäufe, Besorgungen und Arztbesuche machen muss, Treffen mit Freunden hat oder ab und an eine Veranstaltung besucht, einem Sportclub angehört oder ins Fitnessstudio gehen möchte und der Papagei an die zehn Stunden täglich oder mehr alleine ist. Für diese sozialen und geselligen Tiere ist langes Alleinsein eine Quälerei, das verkraften sie nicht.

Immer wieder hört man, der Mensch kann nicht den Partnervogel ersetzen und Papageien, die zu sehr auf den Menschen geprägt sind, leiden unter einer Fehlentwicklung. Wir halten aber auch Hunde und Katzen, Hausschweine, Frettchen und dergleichen mehr. Auch Hunde, Hauskatzen und andere Haustiere können sich bei uns zu Hause nicht vermehren und haben meist keine Sexualpartner. Warum soll also ein Papagei nicht auf den Menschen geprägt sein? Wen man von der Zeit der Balz absieht, ist dem nichts entgegen zu setzen, wenn der Papagei auf seinen Menschen geprägt ist und seinen Menschen liebt. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die eine sehr gute Einzelhaltung als Tierquälerei ansehen. Oftmals werden Besitzer von Einzeltieren, die sogar den Tag über zu Hause sind, im Freundeskreis unter Druck gesetzt bezüglich der Anschaffung eines Artgenossen. Es gibt viele sehr gute Einzelhaltungen, wo die Besitzer die Bedürfnisse des Papageien optimal befriedigen und das Tier zufrieden und glücklich ist. Wenn Alle zufrieden sind, der Papagei den Tag über Gesellschaft hat, lebhaft und ausgeglichen ist, sollte man das respektieren, denn die Anschaffung eines Zweitvogels muss gut überlegt sein. Es gibt sehr gute Einzelhaltungen und die Tiere sind glücklich, wenn man von der kurzen Zeit der Balz absieht, deren intensives Stadium beim Papagein vielleicht 14 Tage bis vier Wochen dauert. Hunde, Katzen und andere Tiere leben bei uns meist auch ohne artgleichen Partner und Niemand macht Geschrei darüber. Sicher, Papageien sind nicht domestiziert, aber das ist auch das Problem. Ist der Vogel alleine oder mit einem artfremden Zweitvogel zusammen, kommen Mensch und Tier oft gut miteinander aus. Kommt ein gegengeschlechtlicher Partner hinzu, kann man- vor allem bei Amazonen- die Volliere in der Zeit kaum betreten, wenn der Hahn in Brutstimmung ist. Das alles möchte gut überlegt sein und man sollte sich vorher fragen, was man bereit ist auszuhalten. Zum anderen ist es nicht so, dass beide Tiere sich verstehen müssen, wenn ein Artgenosse Einzug hält, denn oftmals fühlt sich der Altvogel durch den Neuzugang in seinem Leben und seinem Tagesablauf gestört. Daher sollte man mit viel Bedacht an die Wahl eines Zweitvogels herangehen. Es gibt Papageien-Partnervermittlungen, mit denen man in Kontakt treten kann. Auf jeden Fall sollte der bisherige Tagesablauf für den Altvogel nicht verändert werden. Wichtig ist es, beide Papageien in getrennten Vollieren unter zu bringen bzw. den Altvogel in seiner Volliere zu belassen und den Neuen in einen separaten Bauer in Sichtkontakt hinzu zu stellen. Haben beide Tiere sich aneinander gewöhnt und besteht Rufkontakt, kann man den ersten gemeinsamen Freiflug riskieren. Erst wenn das gut klappt, die Tiere miteinander spielen, auf Entdeckungstour gehen oder sich sogar kraulen, kann der Neuzugang beim Altvogel einziehen.

Ich habe den Kolumbus fünf Monate nach dem Snoopy gekauft. Snoopy sollte eine Henne sein, war aber auch ein Hahn, wie sich später herausstellte. Ich wollte ein Paar und habe zwei Hähne erhalten. Snoopy hat den Kolumbus über Monate bekämpft, zwar nicht mit Bissen (zum Glück), aber er hat ihn vertrieben wo er nur konnte. Kolumbus durfte nicht zu mir. So habe ich mich Anfangs mit beiden Vögel einzeln beschäftigt. Bewusst habe ich die Tiere auch lange alleine gelassen und bald konnte Kolumbus zum Snoopy einziehen, der ihn zu spielen brauchte, wenn ich unterwegs war. Nach einem dreiviertel Jahr saßen beide Tiere zusammen auf dem Schlafast.

Viel Ruhe, Gelassenheit, eine kluge Vorgehensweise und Geduld gehören zur optimalen Integration eines Zweitvogels in den Familienschwarm.